Starker Durst, häufiges Wasserlassen und anhaltende Müdigkeit können auf Diabetes hinweisen. Bei Typ-1-Diabetes treten solche Beschwerden oft rasch auf. Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist schleichend und bleibt anfangs unbemerkt. Einzelne Beschwerden reichen für eine Diagnose nicht aus; Ärztinnen und Ärzte stellen sie anhand von Blutwerten.

Nehmen typische Beschwerden rasch zu, besonders bei unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, wenden Sie sich zeitnah an eine Arztpraxis. Auch ohne Beschwerden lässt sich Diabetes nicht sicher ausschließen.

Typ-1-Diabetes beginnt oft rasch

Bei Typ-1-Diabetes kann sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit verändern. Der Körper produziert dabei zu wenig oder kein Insulin, ein Hormon, das den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert. Häufig treten starker Durst und häufiges Wasserlassen gemeinsam auf. Dazu kommen manchmal ausgeprägte Müdigkeit und ein Gewichtsverlust, obwohl sich Essen und Bewegung nicht verändert haben.

Typ-1-Diabetes kann auch bei Erwachsenen auftreten. Wenn sie innerhalb weniger Tage deutlich stärker werden, sollten Sie schnellstmöglich eine Arztpraxis kontaktieren. Warten Sie nicht erst ab, ob sich die Symptome von selbst bessern.

Typ-2-Diabetes bleibt oft lange unbemerkt

Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig über längere Zeit. Anfangs fehlen oft deutliche Beschwerden. Wenn Beschwerden auftreten, lassen sie sich oft nicht eindeutig zuordnen. Müdigkeit und Schwäche können viele Ursachen haben; dasselbe gilt für nachlassende Konzentration oder Leistungsfähigkeit. Trockene Haut und wiederkehrende Infekte können Anzeichen sein. Auch schlecht heilende Wunden oder Sehstörungen kommen als Anzeichen infrage.

Durst und häufiges Wasserlassen können ebenfalls auftreten. Sie sind für sich genommen jedoch kein Beleg für Diabetes. Vereinbaren Sie einen Termin in einer Arztpraxis, wenn die Beschwerden anhalten oder wiederkehren. Das gilt auch, wenn mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten. Diabetes wird zudem manchmal bei einer Blutuntersuchung entdeckt, bevor Betroffene Veränderungen im Alltag bemerken.

Wann Sie rasch Hilfe brauchen

Lassen Sie starken Durst und häufiges Wasserlassen zusammen mit unbeabsichtigtem Gewichtsverlust rasch ärztlich abklären, besonders wenn die Beschwerden schnell schlimmer werden. Kontaktieren Sie in diesem Fall möglichst umgehend eine Arztpraxis.

Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, eine auffallend tiefe Atmung, süßlich riechender Atem oder Bewusstseinsstörungen können auf eine diabetische Ketoazidose hinweisen. Dabei gerät der Stoffwechsel durch starken Insulinmangel aus dem Gleichgewicht. Das ist ein medizinischer Notfall. Bei solchen Beschwerden brauchen Sie sofort medizinische Hilfe. Bei Bewusstlosigkeit oder einer schweren akuten Verschlechterung wählen Sie den Notruf.

Beschwerden ersetzen keine Blutwerte

Beschwerden im Alltag können Anlass sein, den Blutzucker ärztlich prüfen zu lassen. Sie zeigen den Blutzuckerwert aber nicht an. Auch das Fehlen typischer Symptome schließt Diabetes nicht aus. Zur Diagnose untersucht die Arztpraxis Blut im Labor. Je nach Situation misst die Arztpraxis den Blutzucker nach 8 bis 12 Stunden ohne Essen (Nüchternblutzucker), den HbA1c-Wert (den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa 8 bis 12 Wochen), den Blutzucker bei einer Messung zu einem beliebigen Zeitpunkt oder führt einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) durch. Beim oGTT wird gemessen, wie der Körper eine Glukoselösung verarbeitet.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft nennt in ihrer Praxisempfehlung von 2025 folgende Werte als Diabetesbereich:

Blutuntersuchung Diabetesbereich
Nüchtern-Plasmaglukose nach 8 bis 12 Stunden ohne Essen mindestens 126 mg/dl (7,0 mmol/l)
HbA1c mindestens 6,5 % (48 mmol/mol)
Blutzucker zwei Stunden nach dem oGTT mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
Gelegenheits-Plasmaglukose bei passenden Beschwerden mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Für die HbA1c-Messung müssen Sie nicht nüchtern sein. Blutarmut und bestimmte Hämoglobinvarianten können den HbA1c-Wert beeinflussen. Auch Blutverlust oder eine Bluttransfusion können den Wert verändern. Auch in der Schwangerschaft eignet sich der HbA1c laut Fachgesellschaft nicht zur Diabetesdiagnose.

Eine Ärztin oder ein Arzt muss auffällige Werte beurteilen; in der Regel stützen auffällige Ergebnisse aus zwei Messungen die Diagnose. Wenn Werte nicht zusammenpassen, kommen eine zeitnahe Wiederholungsmessung oder ein oGTT infrage. Ein Blutzuckermessgerät für den Hausgebrauch ersetzt die Laboruntersuchung nicht.

Erhöhte Werte sind noch keine Diagnose

Werte unterhalb der Diabetesgrenzen können auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Als Zwischenbereich nennt die DDG bei Nüchtern-Plasmaglukose 100 bis unter 126 mg/dl und beim HbA1c 5,7 bis unter 6,5 %. Beim Zwei-Stunden-Wert des oGTT liegt dieser Bereich bei 140 bis unter 200 mg/dl.

Fachgesellschaften setzen unterschiedliche untere Grenzen für erhöhten Nüchternblutzucker an: Einige bei 100 mg/dl, andere bei 110 mg/dl. Die Diabetesgrenze von 126 mg/dl bleibt davon unberührt. Besprechen Sie auffällige Ergebnisse mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, statt sie allein anhand eines einzelnen Messwerts einzuordnen.