Wer Mönchspfeffer wegen geringer Libido, Erektionsproblemen oder eines vermuteten Testosteronmangels nimmt, sollte nicht mit einer verlässlichen Wirkung rechnen. Bei Männern ist nicht belegt, dass die Pflanze das sexuelle Verlangen, den Testosteronspiegel oder die Fruchtbarkeit beeinflusst. Mönchspfeffer, auch Keuschlamm genannt, wird in Europa vor allem gegen Beschwerden vor der Menstruation eingesetzt.

Eine kleine Studie an gesunden Männern beobachtete Veränderungen beim Prolaktinwert. Sie untersuchte aber weder Libido noch Erektionen oder Fruchtbarkeit. Bei anhaltenden Beschwerden solltest du dich ärztlich untersuchen lassen, statt Mönchspfeffer auf eigene Faust einzunehmen.

Warum Männer Mönchspfeffer einnehmen

Manche Männer hoffen, Mönchspfeffer werde das sexuelle Verlangen dämpfen. Der Name „Keuschlamm“ und die historische Verwendung der Pflanze als Mittel gegen sexuelles Verlangen tragen zu dieser Vorstellung bei. Studien belegen diese Wirkung bei Männern nicht.

Andere nehmen Mönchspfeffer in der Hoffnung auf mehr Libido oder höheres Testosteron. Die Annahme dahinter lautet, dass die Pflanze Prolaktin senken könnte. Erhöhtes Prolaktin kann bei Männern mit geringerem sexuellem Interesse, Erektionsproblemen und niedrigem Testosteron zusammenhängen. Dieser Zusammenhang belegt jedoch nicht, dass Mönchspfeffer diese Beschwerden behandelt.

Die europäische Arzneimittelbewertung führt Anwendungen bei prämenstruellen Beschwerden auf, also Beschwerden vor der Monatsblutung. Eine medizinische Anwendung für Männer ist dort nicht aufgeführt.

Was die Männerstudie zeigt

In einer Studie mit Placebo-Vergleich nahmen 20 gesunde Männer 14 Tage lang einen bestimmten Mönchspfefferextrakt ein. Die Studie prüfte Tagesdosen von 120, 240 und 480 Milligramm. Prolaktin reagierte je nach Dosis unterschiedlich. Bei der niedrigsten Dosis fiel die Prolaktinantwort stärker aus als unter Placebo. Bei höheren Dosen sank sie leicht. Nach einer hormonellen Stimulation fiel die Reaktion bei der höchsten Dosis deutlich geringer aus als unter Placebo.

Die Studie deutet darauf hin, dass der Extrakt Prolaktin beeinflussen könnte. Es belegt weder eine Verbesserung noch eine Dämpfung der Libido, denn die Studie prüfte keine sexuellen Beschwerden. Auch lässt sich aus den untersuchten Dosen keine Einnahmeempfehlung ableiten. Die Ergebnisse gelten für den geprüften Extrakt und die kurze Studiendauer, nicht automatisch für andere Präparate.

Testosteron und Fruchtbarkeit

Die Studie sollte nicht zeigen, ob Mönchspfeffer einen Testosteronmangel behandelt. Zwar wurden auch weitere Hormonwerte erfasst, doch der Schwerpunkt lag auf Prolaktin. Eine verlässliche testosteronsteigernde Wirkung beim Mann ist daher nicht belegt.

Auch für eine Verbesserung der männlichen Fruchtbarkeit fehlen belastbare Nachweise. Wer sich ein Kind wünscht und trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft erreicht, sollte die Fruchtbarkeit ärztlich untersuchen lassen. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen diese Abklärung nicht.

Welche Erwartungen realistisch sind

Durch Mönchspfeffer lässt sich bei Männern nicht verlässlich mehr oder weniger sexuelles Verlangen erwarten. Für bessere Erektionen und einen höheren Testosteronwert fehlt ebenfalls ein Nachweis. Auch eine gesteigerte Fruchtbarkeit ist nicht belegt. Ein veränderter Hormonwert allein beweist zudem nicht, dass sich Beschwerden bessern.

Ergebnisse aus Studien zu prämenstruellen Beschwerden bei Frauen beantworten die Frage nach der Wirkung beim Mann nicht. Ebenso reicht eine historische Anwendung als Mittel gegen sexuelles Verlangen nicht als Beleg für eine heutige Behandlung. Wer ein Präparat trotzdem erwägt, sollte die Erwartungen niedrig halten und bei Beschwerden nicht auf eine medizinische Abklärung verzichten.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

Lass anhaltend vermindertes sexuelles Verlangen oder Erektionsprobleme ärztlich abklären. Das gilt auch bei einem unerfüllten Kinderwunsch oder möglichen hormonellen Anzeichen wie einer Brustvergrößerung oder Flüssigkeit aus der Brustwarze. Erhöhtes Prolaktin ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige.

Bei Kopfschmerzen oder Sehstörungen zusammen mit solchen Beschwerden solltest du zeitnah ärztlichen Rat einholen. Sie können auf eine Erkrankung im Bereich der Hirnanhangdrüse hinweisen, die auch Hypophyse genannt wird. Je nach Beschwerden prüft die Ärztin oder der Arzt Hormonwerte und veranlasst bei Bedarf weitere Untersuchungen.

Ein Testosteronmangel lässt sich nicht allein aus Symptomen ableiten. Für die Diagnose braucht es passende Beschwerden und wiederholt gemessene niedrige Testosteronwerte am Morgen. Je nach Befund kommen weitere Hormonmessungen, darunter Prolaktin, hinzu.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Mönchspfeffer

Die europäische Arzneimittelbewertung nennt unter anderem Hautreaktionen und Akne als mögliche Nebenwirkungen von Mönchspfefferpräparaten. Außerdem führt sie Kopfschmerzen, Schwindel und Magen-Darm-Beschwerden auf. Auch schwere allergische Reaktionen sind aufgeführt; wie häufig diese Beschwerden auftreten, ist nicht bekannt. Diese Nebenwirkungen wurden nicht speziell bei Männern untersucht.

Bei einer bekannten Erkrankung der Hypophyse oder bei Medikamenten, die auf das Dopaminsystem wirken, solltest du vor der Einnahme ärztlich oder in der Apotheke nachfragen. Für Mönchspfeffer werden mögliche Wechselwirkungen mit Dopaminagonisten und Dopaminantagonisten genannt. Das sind Arzneimittel, die die Wirkung von Dopamin im Körper verstärken oder hemmen. Auch bei Medikamenten mit Einfluss auf Östrogene ist eine Rücksprache sinnvoll.